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11. Sonntag

Die Predigt bezieht sich auf: Ez 17, 22-24; 2 Kor 5, 6-10Mk 4, 26-34.

Wir hörten vorher in rätselhafter Bildsprache Gottes Wort an Israel durch den Propheten Ezechiel. „In der Bildsprache der Bibel verkörpern Zedern unter anderem das Königtum (2Kön 14,9; Ez 17; Ez 31).“[1] Ein Königtum soll also gemäß Ezechiel auf einen hoch aufragenden Berg aus einem bereits bestehenden königlichen Geschlecht neu gegründet werden. Dieser Berg ist der Berg Zion in Jerusalem, dem späteren Tempelberg.[2] Zu jenem König werden die Menschen flüchten, während er die Mächtigen stürzt und die niedrigen erhöht, die Reichen arm macht und die Armen reich. Man hört aus dieser Prophezeiung bereits das Magnifikat Marias deutlich heraus.

Wenn von Überirdischen gesprochen wird, liegt es auf der Hand, dass man sich Bilder dieser Welt bedient – wie es Jesus mit seinen Gleichnissen tat –, um verständlich zu machen, was man sonst nur als Glaubender erfassen kann. Und umgekehrt, können solche Bilder Menschen auch zum Glauben führen.

Aber bei Ezechiel geht es ja nicht um Überirdisches, sondern um die Bewohner Israels und die Wiederherstellung des irdischen Königtums Davids. Oder? Warum erklärt Gott mittels Gleichnisse, was geschehen soll, wenn es um Dinge dieser Welt geht? Warum sagt er nicht ganz unmittelbar, dass er einen neuen König einsetzen wird, bei dem alle Menschen Zuflucht finden werden? Wozu also diese Bildsprache? Bei dieser Frage kommt mir folgender Satz in den Sinn:

„Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.“ (Mk 4, 11-12; siehe auch Jes 6, 10)

Als ich nach der Stelle in der Bibel suchte, wo das geschrieben steht, stellte ich zu meiner Überraschung fest; im gleichen Kapitel, wie das heutige Tagesevangelium!

Wenn es im zweiten Korintherbrief dann heißt; „als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende“, dann bestätigt sich bereits meine Vermutung, warum Gott schon im Alten Testament von den irdischen Dingen oft nur in Gleichnissen spricht. Das Irdische selbst ist Vorausbild des Überirdischen! Das Himmelreich nimmt seinen Anfang im Irdischen. Die Bildsprache Gottes weißt darauf hin. Und in der Prophetie des Ezechiels ist der König, vor dem sich alle beugen müssen, niemand anders als Jesus Christus. Zwar war er ein Mensch wie wir, aber nur im Glauben kann sein Königtum als ewiges verstanden werden, weil er auch Gott ist. Zu ihm flüchten alle, die er selber befreit hat, wie es in einem Psalm auch heißt: „Unsere Seele ist wie ein Vogel, dem Netz des Jägers entkommen: das Netz ist zerrissen und wir sind frei.“ (Psalm 124, 7) So macht also schon das Bild der Vögel – die in den Zweigen der „prächtigen Zeder“ oder im Schatten der Gewächse gesäter Senfkörner nisten – deutlich, dass die Prophezeiung Ezechiels das bloß Irdische weit übersteigt, weil eben die Vögel die geretteten Seelen der Menschen meint, die im Reich Gottes wohnen.[3]

Oder das Kreuz Christi: Dieser Baumstamm war ganz irdischer Natur auf dem der irdische Leib Christi hang, aber wer als Glaubender seinen Weg geht begreift, dass es der Baum des Lebens ist, von dessen Frucht wir als Getaufte speisen dürfen. Diese Frucht ist die Eucharistie.

Das gewandelte Brot und der gewandelte Wein bleiben für die irdischen Sinnesorgane auch nach der Wandlung unverändert. Aber wieder gilt: Nur im Glauben erschließt sich hier auch das Überirdische in diesen Gaben, die uns zum einen Leib Christi zusammenfügen.

Oder: Es gibt die sichtbare Kirche hier auf Erden, aber nur im Glauben kann sie als Mutter erkannt werden, die den mystischer Leib Christi gebiert.[4]

„Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.“ Bemüht euch also, dass ihr drinnen bleibt, im Glauben, damit ihr gemeinsam mit Maria der Mutter Jesu voll Freude rufen könnt:

Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Amen.

Euer Kaplan Rochus.

 

[1] Quelle: https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/zeder/ch/660fae4a92ed34d378bb1247ac6b4c64/ (abgerufen: 7.6.2021)

[2] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Zion#Jebusiterburg (aufgerufen: 10.6.2021).

[3] Vgl. Bieger, Eckhard: Bilderlexikon der christliche Symbole, Leipzig 2013, 189.

[4] Vgl. Rahner, Hugo: Maria und die Kirche, Innsbruck 1951, 41ff. (Kapitel Gottesgebärerin).

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